Meine Kliniktasche war ein Desaster

Erfahrungsbericht einer jungen Mutter, Carola D. aus München

Monatelang verdängt, dann pure Panik: die Kliniktasche!

Vierzig Wochen Schwangerschaft, gleichbedeutend mit einem wunderbaren Mix aus Vorfreude, Übelkeit, Planung, Aufregung und dem reinsten Hormoncocktail, sprich den Stimmungsschwankungen. Die Zeit verging wie im Flug. Dutzende Baby- und Schwangerschaftsratgeber sowie Kataloge und diverse Websites in meiner Leseliste verkürzten die Wartezeit und schürten die Vorfreude. Aber dann …

… fiel plötzlich dieses Wort: Kliniktasche.

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Ich fand den Hinweis, dass die Kliniktasche ab der 30. Schwangerschaftswoche gepackt werden sollte. Was ich monatelang erfolgreich verdrängt hatte, machte sich nun in Panik Luft. Ein Baby zu bekommen ist ja wunderschön, aber vor der Geburt selbst hatte ich doch ganz schön Bammel. Dementsprechend hatte ich das Packen so lange wie möglich hinausgeschoben. Dazu kommt natürlich, dass das Kinderzimmer herzurichten und Babysachen zu shoppen einfach so viel schöner ist. Aber was sein muss, muss sein.

Die Recherche zur Kliniktasche begann.

Ich fand tausende Tipps, im Internet, im Geburtsvorbereitungskurs, von anderen Müttern, von der Klinik selbst. Viele verschiedene Ratschläge und doch immer wieder dasselbe. Sachen wie – meines Erachtens nach total logisches – Pyjama, Bademantel, Kulturbeutel, Babykleidung blabla. Auch so komische Sachen wie “ein rotes Handtuch zum Einwickeln des Babys nach der Geburt”. Von einer Freundin, Mutter zweier Kinder, wurde ich aufgeklärt, dass die rote Farbe das Baby wohl an die Gebärmutter erinnern und daher beruhigen soll. Aha. Nun ja, nach einiger Zeit Planung kam ich zu folgendem Schluss: Umstandspyjama und Stillnachthemd, Kulturbeutel, ein Shirt für den Kreißsaal, die empfohlenen warmen Socken für die Geburt, Hausschuhe, Bademantel, Unterwäsche samt Still-BHs natürlich, Anziehsachen für den Heimweg, Babykleidung, das wundersame rote Handtuch und ein Haufen Kekse und Traubenzucker für mich und den Herzensmann. Alles verpackt in einem einzigen Koffer, denn wer rennt schon ein zweites Mal zum Auto, dachte ich.

Aber es kam alles anders als gedacht und geplant.

Es wurde ein Kaiserschnitt. Das Shirt, die Socken, die Kekse … alles für die Katz, pardon den Koffer. Zudem dieses Gewühle im wirklich nicht gerade handlichen Trolley, denn ganz oben lag alles für den Kreißsaal bereit, den ich nun aber gar nicht von innen sehen würde. Wie viel besser wäre es gewesen, dafür eine extra Tasche gehabt zu haben, und eine, in der man mit einem Blick alles sieht und findet, weil sie sich so schön öffnen lässt. Außerdem fehlten mir ein paar Dinge.

Als da mein neugeborenes kleines Wunder endlich bei mir war, wollte ich mich für den eigentlich geliebten Bademantel fast entschuldigen. Es graute mir davor, dieses Bündel Glück mit nur normal gewaschenen, nicht hygienisch akkuraten Textilien in Berührung zu bringen. Der kleine Liebling hinterließ zudem seine Flecken schon an Tag 1, ich mit Milcheinschuss, Wochenfluss und kräftigem Schwitzen vor Schmerzen beim Gehen ebenso.

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Und ich sehnte mich soooo sehr nach einer weiten, bequeme Hose, mit der ich mich auf dem Flur hätte blicken lassen können. Meine Pyjama-Hose war wirklich nicht dafür gedacht. Zudem gab es in meiner ganzen Kleiderausstattung nichts, das zum Stillen geeignet war, gleichzeitig mich aber vor den Blicken des familiären Anhangs meiner Bettnachbarin schützen konnte. Nachts konnte ich nur das Nachthemd auf der Narbe ertragen und das war schon nach der zweiten Nacht voll blutiger Flecken.

Ebenso die Hausschuhe, die zu allem Überfluss auch noch aus Stoff waren. Nach dem ersten – unglaublich schmerzhaften – Aufstehen, ergoss sich nämlich ein Schwall Blut darauf, den nichts und niemand hätte halten und keine Waschmaschine hätte auslöschen können. Die warmen Socken als Plan B fühlten sich die Tage darauf nicht wirklich hygienisch an, nach der Erkenntnis, dass ich wohl nicht die einzige war, der solche Missgeschicke auf dem Klinikboden passierten. Zudem tat mir jede Bewegung höllisch weh, ein paar Schuhe nur zum Reinschlupfen und rutschfest für den glatten Klinikboden waren das Ziel meiner Träume.

Die Höschen von der Klinik empfand ich als reinste Katastrophe.

Kliniktasche_Erfahrung_Bericht_geburtKaum war das Pflaster auf dem frischen Schnitt weg, verfingen sich die Nähte in diesem Netzhöschen. (Nichtsdestotrotz musste ich mir einige davon klauen, um überhaupt irgendetwas für zuhause zu haben, das sich nicht wie Folter anfühlte). Außerdem: wegen dem Kaiserschnitt musste ich in der Klinik viel länger bleiben als gedacht. Und obwohl ich den tollsten Mann der Welt habe – eine Tasche packen kann er nicht … Immer wieder hat er mich dann zuhause gefragt, was er mir abnehmen kann. Gut, für das Hier und Jetzt mit Baby kann er wunderbar helfen, keine Frage. Aber es wäre unglaublich schön gewesen, wenn er mir die Sache mit der Kliniktasche hätte abnehmen können und dabei vielleicht sogar die Dinge bedenken hätte können, die ich eben nicht wusste …

Achso, zu guter Letzt: unser erster Familienurlaub steht an. Nach drei Versuchen einen Familienkoffer zu packen und der Panik wie in der Klinik ständig zu wählen, gebe ich auf und gehe shoppen.

Unser Baby bekommt jetzt seine eigene Tasche.