Gibt es eine Papa-Kultur?

Thomas Berg papawerden.info mamylu

Bei unseren Kulturwochen sollen auch die Väter nicht zu kurz kommen – denn das tun sie relativ oft. Früher mussten Väter in vielen Belangen draußen warten. Von modernen Papas wird dagegen erwartet, dass sie tatkräftig mit anpacken, sich mit ehrlichem Engagement einbringen und am besten genauso gut Bescheid wissen, wie die Schwangere selbst. Und damit sind sie häufig überfordert.

Real wird das alles für die meisten Väter erst, wenn sie das kleine Menschlein nach der Geburt tatsächlich auf dem Arm haben und ihm das erste Mal in die Augen blicken. Zum Glück gibt es immer mehr Angebote, die Männern dabei helfen, sich in ihre neue Rolle und vor allem mit dem Akt der Geburt auseinanderzusetzen. Eins davon findet man seit Kurzem in München: Gynäkologe Thomas Berg und sein Team bieten unter papawerden.info geburtsvorbereitende Kurse von Männern für Männer an. Genauer gesagt sind es zwei “herrlich unterhaltsame und hoch informative Abendveranstaltungen” – einmal als “Stammtisch Geburt” und einmal als “Labor ward-Challenge”. Die werdenden Väter erfahren unter anderem, wo und wie Internet Recherche Sinn macht, wie eine Geburt ablaufen kann und wie sie ihrer Partnerin am besten zur Seite stehen. Wir finden die Initiative wunderbar und haben Thomas Berg zum Thema Papa-Kultur befragt.

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Thomas Berg papawerden.info mamylu

Lieber Thomas, wie steht es aktuell um unsere Kultur für werdende Väter – gibt es eine?

“Während zu den Zeiten unserer Eltern die werdenden Väter noch aus dem Kreißsaal geschickt wurden und auch die Rollenverteilung größtenteils noch viel klarere Grenzen hatte, hat sich im Laufe der Jahre das Rollenverständnis neu definiert. Heutzutage ist es meist Standard, dass Männer mit im Kreißsaal anwesend sind. Zum einen, weil sie ihre Frau unterstützen und bei der Geburt ihres Kindes dabei sein wollen, zum anderen aber auch, weil ein gesellschaftlicher Erwartungsdruck besteht. Das gilt vor allem bei der Geburt des ersten Kindes. Demnach hat sich durch die Emanzipation des Mannes die Kultur entwickelt, an der Geburt zu partizipieren, zeitgleich aber auch ein soziale Erwartungshaltung aufgebaut, die es davon zu unterscheiden gilt.”

Was läuft gut und was nicht?

“Und so lässt sich auch ein bisschen erklären, was gut läuft und was nicht. Gut läuft, dass das Hauptaugenmerk voll und ganz auf der werdenden Mutter liegt. Darüber hinaus gibt es erfreulicherweise vielen Angebote, die auf Paare ausgerichtet sind. In der absoluten Minderheit sind allerdings die Angebote für Männer. Und noch weniger von Männern für Männer. Das Thema Schwangerschaft und Geburt betrifft physiologischerweise nur die Frau. Jedoch ist heutzutage eine Partnerschaft eine so starke und enge Einheit, dass der Partner nicht außer Acht gelassen werden kann. Das Informationsangebot für Männer ist zum allergrößten Teil von Frauen ausgehend. Das ist gut, holt aber noch nicht alle ab, die Vater werden.”

Thomas Berg papawerden.info mamylu

Wo haben wir noch Aufholbedarf und was wünscht ihr euch für die Zukunft?

“Wir bewerten es nicht als Aufholbedarf, sondern würden es eher als den Puls der Zeit beschreiben. Die Nachfrage von Männern zu Informationen zu den Themen Schwangerschaft und Geburt besteht und wächst weiter. Jetzt gilt es, das Angebot zu schaffen. Denn nicht jeder Mann traut sich beim Partnerabend alle Fragen zu stellen, die er beantwortet haben will. Und diese Möglichkeit wollen wir den werdenden Vätern bieten. Somit wünschen wir uns, dass mit papawerden.info werdende Väter in München ihre Fragen beantwortet bekommen und informiert zu Hause mit ihrer Partnerin besprechen können, was sie wollen und was sie nicht wollen. Denn nur so findet jedes Paar seinen eigenen Weg, frei von den gesellschaftlichen Ansprüchen.”

Wie gestaltet ihr mit eurem Münchner Angebot aktiv unsere Kultur mit?

“Wir bieten in unseren Infoabenden eine Fülle an Expertise und guter Laune und schaffen eine Atmosphäre, in der jeder seine Fragen stellen darf. Wir sind jedoch auch Symptom und Therapie in einem. Wenn Männer unser Angebot sehen, wächst der Druck, denn anscheinend müssen jetzt auch Männer “Geburtsvorbereitungskurse” besuchen. Auf der anderen Seite sind unsere Teilnehmer gut informiert, voll orientiert und dadurch deutlich sorgenfreier. Die beste Grundlage, um herauszufinden, was MANN möchte und dadurch den Weg des Elternwerdens in der Partnerschaft gemeinsam zu gestalten.”

Vielen Dank!