Die Kliniktasche für den Mann: der Papakoffer

Papakoffer

Wenn es um die Kliniktasche für Schwangere geht, ist die Kiniktasche für den Papa nicht weit. Väter von heute sehen sich vielen Aufgaben und Erwartungen gegenüber, die es so vor vielen Jahren noch nicht gab. In diesem Punkt hat sich die Geburtskultur extrem gewandelt – quasi vom unbeteiligt Abwartenden zum Co-Gebärenden.

Die Geburt ist auch für den Mann etwas ganz Großes, auf das er sich vorbereiten muss. Auf fast jeder Checkliste für Kliniktaschen findet sich ein Abschnitt für den werdenden Papa im Kreißsaal oder im Familienzimmer. Was braucht er wirklich, um durchzuhalten und seine Partnerin gut zu unterstützen?

Um dem Papa in spe die Vorbereitung auf die Geburt zu erleichtern und ihn in seiner neuen Rolle zu bestärken, gibt es immer mehr Angebote auf dem Markt. Heute stellen wir euch eines davon vor: den Papakoffer. Im Rahmen der Kulturwochen bei mamylu beleuchten wir natürlich auch den kulturellen Aspekt und haben die beiden Gründerinnen Inez Schult und Ulli Strauß nach ihrer Meinung gefragt.

Inez Schult und Ulrike Strauß

Über die Kultur zum Papawerden


Wie steht es aktuell um unsere Kultur für werdende Väter – gibt es eine?

“Erinnert ihr euch an die Bilder von kettenrauchenden Nervenbündeln aus Filmen während die Frau das Kind bekam? Früher war die Geburt zwar reine Frauensache, doch auch den Männern kamen bestimmte Aufgaben zu: Schon im Altertum holten sie Tücher, riefen die Hebamme, Mutter, Freundinnen zu Hilfe, hielten warmes Wasser bereit, besorgten Getränke und Essen und machten sauber. Die Väter sicherten quasi das Umfeld der Geburt ab und regelten alles notwendige drum herum. Außerdem waren sie diejenigen die die Nachgeburt vergruben und männliche Kraft und Schutz verkörperten. Sie wirkten also nicht nur symbolisch, sondern auch praktisch im Hintergrund mit, auch wenn sie bei der Geburt selbst nicht dabei waren.

Dann kam die Zeit der Geburten im Geburts- oder Krankenhaus und es war Gang und Gäbe, dass der Mann wartend vor der Tür blieb, während die Frau das Kind allein zur Welt brachte. Der Kreißsaal war ausschließlich Ärzten und Hebammen vorbehalten und wurde auch als Ausbildungsraum genutzt. Es gab somit bis zu diesem Zeitpunkt keine Kultur für werdende Väter. Schon immer erlebten die werdenden Väter die Schwangerschaft der Frau mit und zeigten selbst körperliche Symptome und Veränderungen im Verhalten. Diese blieben allerdings nicht nur von den Frauen, sondern sogar von den werdenden Vätern selbst unbemerkt. Auch bei ihnen können die Hormone verrückt spielen, das Gewicht zunehmen oder sich Stimmungsschwankungen bis hin zu Übelkeit bemerkbar machen. Heute ist dies wissenschaftlich belegt: Das Couvade-Syndrom.

In den 1970er Jahren begann der Umbruch. Zunächst fungierten die Väter nur als Begleiter zu Ultraschalluntersuchungen und Geburtsvorbereitungskursen. Inzwischen hat sich die Rolle des werdenden Vaters glücklicherweise grundlegend geändert: Neun von zehn Männern sind heute bei der Geburt ihres Kindes im Kreißsaal anwesend. Aktuell fiebern werdende Väter bereits beim Verwenden des Schwangerschaftstest mit und wollen hautnah dabei sein, wenn der Bauch wächst. Sie tasten sich wortwörtlich langsam an die neue Situation heran. Sie versuchen das Kind im Bauch zu fühlen und sind gerührt wenn sie die ersten Kindsbewegungen spüren oder das Ungeborene bereits auf seine Hände oder Stimme reagiert. Gleichzeitig macht ihnen die neue Situation Angst und die Vorstellung wie das Baby aus der Frau herauskommen soll. Ganz neue Fragen kommen ihnen in den Sinn und nicht immer ist die Frau die beste Ansprechpartnerin für die Antworten.

Im Gegensatz zu den Frauen, die sich untereinander ausgiebig austauschen, versuchten die Männer zunächst getreu dem Motto “ein Indianer kennt keinen Schmerz” alles mit sich allein auszumachen. Doch gewinnen die Erfahrungsberichte unter Männern immer mehr an Bedeutung. Die aktuelle Entwicklung zeigt, vor allem in den sozialen Netzwerken, dass werdende Väter sich untereinander gerne austauschen – sei es durch ihre Version des Geburtsberichts oder zu allen Themen rund um Schwangerschaft und Geburt. Sie schildern mit Begeisterung und allen Details die Realität wie es ist bei der Geburt seines Kindes dabei zu sein.

Besonders eine Vielzahl sehr guter Blogs von Vätern, die speziell die neun Monate des Vaterwerdens zum Thema haben, weisen einen deutlichen Trend auf. Auch männliche Gynäkologen folgen diesem Ruf und nehmen dem Geheimnis Schwangerschaft und Geburt zum Beispiel durch Aufklärungsvideos das Unbekannte. Die Followerzahlen von über 10.000 Abonnenten sprechen hier für sich! Stammtische und spezielle Geburtsvorbereitungskurse für Männer finden in immer mehr Städten großen Anklang. In den letzten Jahren haben Vereine für Väter, Beratungsabende und Elternzeit einen ganz neuen Stellenwert bekommen. Zudem hat sich inzwischen auch die Medienwelt auf diese Zielgruppe eingestellt und diverse Bücher und Zeitschriften speziell für (werdende) Väter auf den Markt gebracht.

Immer mehr Männer nutzen heutzutage auch die Möglichkeit der Elternzeit, um auch nach der Geburt ganz nah die Entwicklung des Sprösslings mitzuerleben. Seit Beginn der Berechnungen im Geburtsjahr 2008 steigt die Väterbeteiligung kontinuierlich an. Waren es 2008 noch 20,5 %, so sind es heute rund 40 % der Väter die Elterngeld in Anspruch nehmen (Quelle: Statistisches Bundesamt).”

Kliniktasche Vater

Was läuft gut und was nicht? Wo haben wir noch Aufholbedarf und was wünscht ihr euch für die Zukunft?

“Sehr positiv ist, dass Männer heute gerne bei allen Terminen während der Schwangerschaft und im Kreißsaal gesehen sind und immer wichtigere Funktionen einnehmen. Auch nach der Geburt und der Erstversorgung durch das Fachpersonal nimmt der Vater beim Bonding das Neugeborene an sich und festigt die Bindung. Doch noch befinden wir uns auf dem Weg – es ist weiterhin viel Luft nach oben. Die meisten werdenden Väter fühlen sich selbst oft überflüssig und hilflos bzw. außen vor, wenn sich der Nachwuchs auf den Weg macht. In unserer heutigen Kultur dreht sich immer noch alles um Frau und Kind, der Mann wird nach wie vor vernachlässigt. Von ihm wird eine Menge verlangt:

  • Er sollte jederzeit die Schwangerschaftswoche wissen und alle -phasen kennen.
  • Er sollte für alles Verständnis haben, ihre Wünsche erfüllen und ihre Stimmungsschwankungen mit einem Lächeln ertragen.
  • Er sollte bei den Ultraschalluntersuchungen, Geburtsvorbereitungskursen und natürlich bei der Geburt dabei sein.
  • Er sollte im Haushalt helfen und die Kinderzimmermöbel aufbauen.
  • Er sollte jederzeit erreichbar und verfügbar sein, wenn der Entbindungstermin sich nähert.

Aber eine angemessene Würdigung erfährt er bisher nicht. Die Angebote zur Unterstützung sind nicht kontinuierlich mit den Anforderungen an ihn gestiegen. Hierbei geht es nicht um einen Vergleich der “Leistung” von Frau und Mann. Es geht darum, den Mann in seiner neuen Rolle wahrzunehmen. Die Kultur der Selbstverständlichkeit seiner Unterstützung ist schon weit fortgeschritten, doch deren Anerkennung ist im allgemeinen Bild vom werdenden Vater noch nicht angekommen.

Im Kreißsaal füllen die Väter teilweise sogar die Lücke bei Personalengpässen. Sie helfen beim veratmen der Wehen, begleiten die Frau auf die Toilette, versorgen sie mit Getränken, erfüllen jegliche Wünsche, sind einfach da und geben in brenzligen Situationen der Hebamme Bescheid. Betrachten wir die Werbe- und Produktwelt so fällt auf, dass die Zielgruppe Bald-Papa noch in den Kinderschuhen steckt. Die meisten erhältlichen Produkte sind auf Mutter und Kind ausgerichtet: Hier fehlen definitiv männliche Vater-Kind-Varianten.”

Wie gestaltet ihr aktiv unsere Kultur mit?

“Wir füllen eine Lücke, die es noch zu schließen galt: Familienmitglieder und Freunde überschütten die Schwangere und das Baby mit Geschenken, während dem Vater kaum Aufmerksamkeit zu Teil wird. Geschenkideen für werdende Väter sind bisher Mangelware gewesen. Mit dem Papakoffer bringen wir nicht nur Freunde, Familienmitglieder und die Schwangere selbst auf den Gedanken, dass auch Väter potenziell zu Beschenkende sind. Sondern wir bieten zudem eine kreative und liebevolle Lösung, die dem werdenden Vater etwas an die Hand gibt und ihn und seine wichtige Rolle bei der Geburt ernst nimmt: Mit dem Papakoffer in den Kreißsaal!”

 

Über Juniikli und den Papakoffer


Ihr nennt ihn die Kliniktasche für den Mann: Was ist der Papakoffer, wer steckt dahinter und wie kam es dazu? Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zum fertigen Produkt?

“Juniikli, die Manufaktur für Themenkoffer GbR, wurde von Inez Schult und Ulrike Strauß im Juli 2017 gegründet. Wir sind zwei Frauen Mitte 40, seit vielen Jahren selbständig und leben in Köln bzw. Wiesbaden. Wichtig war uns ein einprägsamer Firmenname, der unsere Idee widerspiegelt und zugleich phantasievoll ist: Juniikli – uniquely [juːˈniːkli:], englisch, Adverb = einmalig, einzigartig. Wir haben beide viele Kinder im engen Umfeld und einige Patenkinder auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben begleitet und begleiten sie noch immer. Eigene Kinder waren uns in unseren jeweiligen Beziehungen nicht vergönnt.

Inez ist gebürtige Hamburgerin, lebt seit über 20 Jahren mit ihrem Partner in der Domstadt und unternimmt zweimal im Jahr individuelle Fernreisen, vorzugsweise ins Warme so ab 40 Grad. Ulli ist mit kurzen Unterbrechungen Dauer-Wiesbadenerin. Zu ihrem Leben gehören immer auch Hunde und damit tägliche ausgedehnte Spaziergänge. Zweimal im Jahr wartet sie gespannt auf Inez’ Rückkehr und die exotischen Gewürze in ihrem Gepäck, denn sie kocht leidenschaftlich gerne.

Im März 2015 wurde eine Freundin schwanger und ihr Mann konnte irgendwann die ganzen Strampler und Schwangerschaftsstreifen-Cremes, die sie geschenkt bekamen, nicht mehr sehen. Er war ganz traurig, dass es immer nur um Frau und Kind ging. Da kam bei uns der Wunsch auf, auch dem Vater endlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wir erfanden die Notfalltasche für den werdenden Vater die Idee des Papakoffers war geboren. Seine leuchtenden Augen haben wir bis heute nicht vergessen! Der Papakoffer ist die Kliniktasche für den Mann: Ein kleiner Koffer, liebevoll gepackt für den werdenden Vater – mit Schönem und Nützlichem für die Zeit direkt vor und während der Geburt: Er ist der ideale Begleiter für jeden Mann in den aufregenden Stunden vom Mann zum Vater.”

Was ist alles im Papakoffer drin?

“Mit dem Papakoffer berücksichtigen wir jede Vorliebe, jeden Männertyp und jede Geburtsdauer. Den Papakoffer zeichnet besonders aus, dass all seine Bestandteile in Deutschland handgefertigt werden und er liebevoll gepackt beim Vater ankommt. Er enthält die Papafibel, von Inez und Ulli geschrieben, die ihn beim Papa-werden begleitet. Das Superpapa-Schulterspucktuch, das Papakofferkissen und Briefvorschläge an das ungeborene Kind gehören ebenso dazu wie vier Frischmacher, die ihm vor und während der Geburt nützlich sind: Rasier-Set, Markendeo, Zahnbürste und Taschentücher für die Freudentränen. Auch eine prall gefüllte Wundertüte mit zehn Power-Snacks für den Kreislauf und eventuelle längere Wartezeiten liegt bei! Die Gimmicks Geduldsfaden, Postkarte und Kugelschreiber runden alles ab. Die großen Besonderheiten des Koffers – die Papafibel und das flauschige, handgenähte Papakofferkissen sowie das Superpapa-Schulterspucktuch – sind auch separat erhältlich.”

Kliniktasche Papa

Was machen Väter nach der Geburt mit dem Papakoffer?

“Ursprünglich hatten wir ihn als Spielekoffer oder Reisekoffer für die kleinen Schätze des Kindes gedacht. Inzwischen erreichen uns aber auch andere Verwendungsideen – eine Mutter schrieb uns dieser Tage zum Beispiel: “Unseren benutzt mein Mann als Wickelkoffer. Da sind Wechselklamotten, Windeln und Feuchttücher drin, wenn er allein mit der Kleinen unterwegs ist.” Aber auch als Erinnerungskoffer für das Krankenhausarmbändchen, das Schild vom Kinderbettchen, den ersten Body und so weiter kann er genutzt werden.”

Welche Tipps habt ihr sonst noch für werdende Väter in Punkto Kliniktasche?

“Selbstverständlich gibt es ganz persönliche Dinge, die wir nicht für den Papa einpacken können, dafür haben wir in der Papafibel extra eine Seite mit einer Checkliste angelegt. Einige Tipps stellen wir hier gerne vor:

  • Smartphone und Ladekabel
  • Münzen fürs Parken und Automaten
  • bequeme Kleidung, frisches T-Shirt, Sneakers
  • Musik für den Kreißsaal – Playlist auf dem Smartphone
  • … und evtl. Miniboxen

Die vollständige Liste findet sich in der Papafibel.”

Wie wird es mit dem Papakoffer weitergehen – was ist für die Zukunft geplant?

“Der Papakoffer ist das erste Produkt unserer kleinen Manufaktur. Weitere Themenkoffer sind geplant: Das Thema Familie steht dabei weiterhin im Fokus – alles Weitere bleibt eine Überraschung!”

 

Vielen Dank!