Das fehlende Kapitel – Die Kliniktasche

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Gastartikel von Autorin Iris Hell

 

Schwangerschaftsübelkeit, Schwangerenyoga, Babybeichte in der Arbeit, Geburtsvorbereitung, Wehen, Geburt, Startschwierigkeiten beim Stillen, der Kampf um den Betreuungsplatz, Einsamkeit und Planlosigkeit in den ersten Wochen mit Baby, Flugspinat, PEKiP, Wiedereinstieg in den Beruf.

Was ist das? Eine grobe Themenübersicht aus Kleckerlätzchen für Anfänger, meinem ersten Roman, einem – hoffentlich – humorvollen Buch über werdende und frisch gebackene Mütter.

Was habe ich, mittlerweile Vierfachmutter, vergessen? Ein Kapitel zur – oder zumindest eine Erwähnung der – Kliniktasche. Wie konnte das passieren? An alles hatte ich doch bei dem großen Ereignis Geburt gedacht! Weit gefehlt.

Warum? Weil ich ihr, der Kliniktasche, schlichtweg keine große Bedeutung beigemessen habe. Zu Unrecht.

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Kliniktaschenversuch #1 von 3: 2008

Geburt unserer ersten Tochter – „Hauptsache praktisch“

Was in eine gute Kliniktasche gehört, lässt sich heute mühelos mit ein paar Klicks herausfinden. Bademantel, Stilleinlagen, Still-BHs und und und. Hatte ich alles bei der Geburt unserer ersten Tochter nicht dabei. In meiner Erinnerung bestand meine Kliniktasche bei Versuch #1 aus zwei Dingen: Zwei T-Shirts meines Mannes, die dieser schon längst ausrangiert hatte. Diese erschienen mir angesichts der Größe (XL), insbesondere aber wegen ihrer Farbe (dunkelrot) für eine in meiner Vorstellung immer blutig ablaufende Geburt äußerst passend.

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Ich muss aber deutlich mehr Garderobe als zwei besagte Teile mit ins Krankenhaus genommen haben, denn ausweislich der Fotos trug ich anderes als ausschließlich die beiden Shirts. Entgegen meiner Erwartung waren diese auch durch die Geburt nicht blutverschmiert und damit untragbar geworden.

Meinem damaligen Ich war auf den Krankenhausfotos – sprechen wir es aus – das Elend ins fahle Gesicht geschrieben. Natürlich war ich überglücklich, eine wundervolle, gesunde Tochter geboren zu haben. Anzusehen war mir das wie gesagt nicht. Dies mag mit den ungewohnten Strapazen einer Geburt – der ersten noch dazu – und den Tagen danach mit seinen emotionalen Achterbahnfahrten zusammenhängen.

Meine Kleidung hatte bestimmt nicht zur Hebung der Laune beigetragen. Bei Auswahl der Klinikgarderobe muss ein Gedanke vorherrschend gewesen sein: Hauptsache praktisch. Zumindest größtenteils. Auf jedem, wirklich jedem Bild stecke ich in einer braunen, unmöglich geschnittenen Vliesjacke, Typ Kartoffelsack. Als farblicher Gegenpart musste eine ebenso unförmige blau-karierte Flanell-Pyjamahose herhalten. Meine Füße steckten in beigen Socken und schwarzen Flip-Flops. Total hässlich und was die Kombination Socken und Flip-Flops anbelangt: alles andere als praktisch.

baby_geburt_kliniktascheAuch sonst hatte ich nichts für mein Wohlbefinden dabei. Eine angenehm duftende Creme, Wimperntusche, ein kuschliger Bademantel, ein bisschen Chichi hätten wohl keine Wunder bewirkt, die Kaiserschnittnarbe hätte genauso geschmerzt, aber ich hätte mich vielleicht etwas besser gefühlt.

Das Zimmer teilte ich mit einer Mutter, die ihr viertes Kind zur Welt gebracht hatte. Wenige Stunden nach der Entbindung hatte sie routiniert ihr Täschchen ausgepackt, sich die Haare perfekt gestylt, die Lippen geschminkt. Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Respekt ertrug ich, unerfahren, unsicher und hormonüberflutet ihre Gegenwart.

Auf die Idee, meinen Mann um ein paar Kleinigkeiten für die gute Laune zu bitten, kamen weder er noch ich, denn unsere gesamte Aufmerksamkeit galt uneingeschränkt dem neuen kleinen Wunder.

 

Kliniktaschenversuch #2 von 3: 2010

Geburt unserer zweiten Tochter – „Hauptsache viel“

Neuer Versuch, neues Glück. Angesichts der Erfahrungen des ersten Mals hätte ich es besser wissen können, doch, um es vorweg zu nehmen: Auch dem Packen der zweiten Kliniktasche ging keinerlei sinnvolle Planung voraus. Immerhin befand sich im erneuten Durchlauf die braune Kartoffelsackjacke nicht mehr im Gepäck, denn das optische Ungetüm war unmittelbar nach meiner Rückkehr aus der Klinik 2008 aus meinem Schrank verbannt worden.

Ebenso nicht mit im Klinikkader waren zwei rote, ursprünglich längst ausrangierte T-Shirts in XL, denn ich wusste ja nun: So blutig wie eine Schlachtung läuft eine Geburt vielleicht doch nicht ab und falls ein bisschen Blut spritzen sollte, gäbe es ja noch, speziell für solche Fälle, Krankenhauskleidung.

Doch was fand 2010 den Weg in meine Kliniktasche? An die Stelle der rot-braunen Garderobe waren auf jeden Fall Still-BHs und Einlagen getreten, aber auch allerlei Sinnlosigkeiten. Das Motto lautete diesmal: Hauptsache viel. Das Koffermonster wog geschätzte 23 Kilo.

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Und das kam so: Zwei Monate vor dem errechneten Entbindungstermin dachte ich, wegen Blutungen ins Krankenhaus zu müssen. Panisch und kopflos griff ich in meinen Kleiderschrank und warf fast alles, was meine Hände zu fassen bekamen, in den Koffer. Konnte ich es brauchen? Egal. Rein damit. Das Blutungsrisiko stellte sich als Fehlalarm heraus, ich musste zum Glück nicht ins Krankenhaus. Der panikgepackte Koffer blieb griffbereit und sinnlos vollgestopft im Flur stehen. Sollte ich in der kommenden Zeit noch einen Gedanken an das Ding verschwendet haben, dann allenfalls den, dass ich mir bis zur Geburt in zwei Monaten ja noch ausreichend den Kopf über den Inhalt zerbrechen könne.

Denkste.

Fünf Wochen vor dem errechneten Geburtstermin platzte nach einem Spaziergang die Fruchtblase. In Erinnerung an die blöde Tasche von 2008, hatte ich mir geschworen, eine Sache unbedingt auf meine Krankenhausliste zu setzen: Eine stylishe Jogginghose samt farblich passender Jacke.

Während mein Mann, auf meine Bitte hin, beides noch in den bereits überquellenden Koffer hineinzuzwängen versuchte, setzte ich mich auf ein Handtuch, um wenigstens etwas von dem auslaufenden Fruchtwasser aufzufangen, rief die Hebamme an und tat das Naheliegende: Ich lackierte meine Nägel.

baby_geburt_kliniktasche_erstausstattungAuch dieses Mal fehlte wieder einiges in der Kliniktasche, was ich gut hätte gebrauchen können. Geeignete Babykleidung zum Beispiel.

Die Strampler in Größe 50 oder gar 56 für Tochter 2 hätte ich mir sparen können. Auch die Windeln in Neugeborenengröße. Denn weder in die Strampelanzüge noch in die Windeln passte unsere kleine Frühgeburt hinein. Selbst der winzigste Anzug schlackerte um die dünnen Beinchen und die Windeln konnte ich fast zweimal um das Körperchen wickeln. Glückselig und hormonbeflügelt störte mich das Fehlende nicht. Hauptsache der kleine Mensch war gesund.

Immerhin befand sich in meiner Handtasche eine Creme-Pröbchen mit Orangenaroma, dessen Duft sofort meine Laune hob.

 

Kliniktaschenversuch #3 von 3: 2012

Geburt unserer dritten und vierten Tochter – „Hauptsache pink“

Da mir angesichts der Erfahrungen vom vorherigen Mal und Wehen seit der 28. Schwangerschaftswoche eine Frühgeburt nicht unwahrscheinlich schien, stand mein Koffer stets bereit. Um mich auch farblich-froh auf das freudige Doppelereignis der Zwillingsgeburt einzustellen, orderte ich online eine zweite stylishe Jogginghose und eine Sweatshirt-Jacke, beides in pink. Weitere Wohlfühlutensilien wie Wimperntusche, pinker Nagellack, Parfumflasche, ebenfalls in pink, waren mit von der Partie.

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Tipps, in den ersten Lebenswochen eines Babys auf Parfum oder auch Deo zu verzichten, damit über den Geruchssinn des Neugeborenen die Bindung zur Mutter intensiviert wird, waren mir bekannt. Ich bin mir aber sicher, dass meine Töchter und ich trotz Deo und Parfum gut und verlässlich zueinander gefunden haben. Denn der dezente Duft auf meinem Handgelenk machte mich glücklich. Und eine glückliche Mutter ist sicher auch einiges wert.

Fazit

Mein Fazit nach vier Kindern und drei Kliniktaschen: Mit jedem Mal wurde ich besser. Ich schätze in circa zwei bis drei weiteren Geburten wäre ich richtig gut. So gesehen ist es schade, dass unsere Familienplanung abgeschlossen ist.

Wer süchtig geworden ist: Hier gibt es noch mehr humorvolle Anekdoten von Iris Hell mit ihrer Familienzeit in Buchstaben.

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Kleckerlätzchen für Anfänger

Schwanger! Und jetzt? Das Leben der Mittdreißigerin Kim Weiß wird erst einmal gründlich auf den Kopf gestellt. Lässt der frisch eingezogene Bauchbewohner etwa die Nähte des Brautkleids oder gar die Hochzeitspläne platzen? Und der neue Job? Trotz Anfangssorge ist die Freude groß.

Die Autorin schildert mit – manchmal schwarzem – Humor einen neuen Alltag. Mal planlos, hilflos oder einsam schlittert Kim durch die ersten Wochen und Monate mit Baby-Lil und begegnet dabei unzähligen Wartelisten.

Mit bodenständigem Realismus stellt sich Kim den nun maßgeblichen Fragen: Wo ist das Ende der Warteliste? Was bitte, ist PEKiP? Und wie, zum Teufel, passt mein Kinderwagen in den Coffee-Shop?

Als Paperback, Hardcover & e-Book erschienen bei Tredition.